Maskenball im Ritz

Sicherheitsstufe 1 Plus? Irgendwie stellt man sich das anders vor, wenn der US-Präsident in die deutsche Hauptstadt kommt und im vornehmen Hotel Ritz-Carlton übernachtet. Ab acht Uhr morgens sollte eigentlich kein Mensch mehr ohne Akkreditierung in das Hotel am Potsdamer Platz kommen. Doch selbst um 10.30 Uhr spazieren wir noch entspannt durch den Eingangsbereich, der von rund 40 Mitarbeitern, Bodyguards und Polizisten beäugt wird.

Ab 14 Uhr wird es dann richtig spannend: Die Polizei riegelt alle umliegenden Straßen weiträumig ab. Anwohner kommen nur noch zu ihren Häusern, wenn sie einen Sicherheitscheck passieren. Szenen wie bei einer Bombenentschärfung. Wir zwei schauen uns die Szenen aus dem Hotelfenster des zehnten Stocks an. Dort hätten wir wohl auch noch sitzen können, wenn Barack Obama gegen 22 Uhr ins Hotel gekommen wäre. Aber acht Stunden vor dem Flurfenster sitzen? Die Sonne und das Feierabendbier sind zu verlockend. Wir verlassen das Hotel. Und werden wegen unserer Flipflops etwas schräg angeschaut. Ohne Krawatte läuft hier keiner mehr rum.

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Der abgesicherte Bereich liegt nun schon rund hundert Meter vor dem Hotel. Rettungskräfte der Feuerwehr kleben die Gullideckel ab. Nicht, dass sich ein unerwünschter Gast Zugang zum Hoteleingang verschafft. Als wir durch die Seitenstraße das Gelände verlassen wollen, stoppt uns eine Polizistin. „Haben Sie ein Badge?“. Wir schauen uns ratlos an. Sie meint einen Anstecker, mit dem wichtige Personen Zugang zum Hotel finden. „Nein? Dann müssen Sie hier ganz schnell weg“. Wenn sie gewusst hätte, dass wir zuvor fünf Stunden ohne Badge im Hotel herumgelaufen sind…

Als wir gerade an der Absperrung vorbeigehen, fällt mir ein, dass ich mein Fahrrad vor dem Hotel vergessen habe. „Da wird mit Sicherheit kein Fahrrad mehr sein“, erklärt mir ein ziemlich wichtig erscheinender Sicherheitsmitarbeiter auf Nachfrage. Schließlich sei das Abstellen und Abschließen von Zweirädern in diesem polizeilichen Sicherheitsbereich verboten. Diese werden kostenpflichtig abgeschleppt, steht sogar auf kleinen Schildern. Doch mein Rad ist noch vor dem Hotel. Ich kann es aus der Entfernung sehen. Eine freundliche Polizistin führt mich schließlich an den Absperrungen vorbei zu meinem Fahrrad. Ohne Sicherheitscheck. Ins Hotel gehe ich aber nicht mehr. Es wäre wohl auch nicht mehr möglich gewesen. Schließlich herrscht dort Sicherheitsstufe 1 Plus.

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